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Thé Noir – ein Alptraum von einem Tee

Paranoider TeetrinkerIch habe letztens einen schönen Zeichtrickfilm über einen paranoiden Teetrinker gesehen. Der Film wurde auf Arte ausgestrahlt, die Illustration stammt aus der Feder von Serge Elissalde.
Ein Mann sitzt beim Tee. Er denkt darüber nach, dass er ziemliche Angst habe, seine Tasse Tee zu trinken, dabei liebt er Tee. Aber, so denkt er, ich könnte mir die Zunge verbrennen oder, noch schlimmer, die Mandeln! Mein Gott, das würde meinen Geschmackssinn dauerhaft beeinträchtigen oder sogar komplett zerstören, auf immer! All die kleinen Geschmackspapillen?, das sind diese winzigen Zäpfchen auf der Zungenoberfläche, die werden sich feuerrot verfärben, versengen und furchtbar weh tun. Ich würde wahnsinnig werden und sie mir alle einzeln rausreißen müssen. Er fragt sich beiläufig, ob auch anderen Menschen auffällt, dass man trotz größter Vorsicht immer was vom Tee verschüttet? Und wenn Tee richtig heiß ist, oh je, dann schlägt die Wachstuchdecke immer bei jedem Schwapper solche Blasen. Ihr meint jetzt, er soll den Tee eben lauwarm trinken? Hey, das wäre eine Lösung.

Nur, was wäre wenn der Tassenrand gegen seine Zähne schlägt? Das könnte den Zahnschmelz beschädigen. Und das sind keine Milchzähne! Das sind die echten, entgültigen. Ganz zu schweigen von den Millionen tödlichen Bakterien, die eindringen könnten. Er darf es sich gar nicht vorstellen. Die kleinen Biester krabbeln in das Innere des Zahns, knacken den Wurzelkanal, verspachteln den lebenden Nerv und machen sich über den Kiefer her. E-k-e-l-h-a-f-t!

Ähhh ja, wo war ich, denkt er sich? Ach ja, der Tee. Und die Importeure, die den 100-fachen Preis verlangen und damit den Reibach machen, diese Kerle, Gesetze kennen die ja nicht. Fehlende Kontrollen durch die Öffnung der Grenzen, überall. Und was haben wir davon? Wir werden vergiiiiiiftet! Mit einer kleinen banalen, unschuldigen Tasse Tee!
Keine Bange, er beruhigte sich auch wieder. Na gut, überlegt er, man muss sich einfach sagen, dass täglich auf der ganzen Welt Milliarden von Menschen Ihren Tee trinken. Und anscheinen stirbt auch kein einziger daran, tja. Dieser Mann hatte auch kein Problem seelenruhig vor dir Haustür zu gehen, sein Haus lag übrigens an einer viel befahrenen mehrspurigen Straße. Die Luft stank nach Abgasen, der Lärm war war kaum zu ertragen. Im Hintergrund der Kanll eines Auffahrunfalls. Aus dem Augenwinkel beobachtet er, wie ein Motorrad gestohlen wird. Alles nicht so schlimm, kein Grund sich aufzuregen.

auf-der-strasse

Erst als er um die Ecke bog bekam er doch wieder Panik, weil dort ein paar Tauben saßen. Hatte ich noch nicht erwähnt, dass der Mann ziemliche Angst vor Tauben hat? Tauben sehen ja so unschuldig aus. Von wegen! Die wühlen in Abfällen, können kaum noch fliegen. Haben alle möglichen Krankheiten, die Ihre Eingeweide langsam zersetzen. Die fressen den eigenen Kot, starren vor Dreck. Tauben zerfleischen sich gegenseitig und fallen über die eigenen Kadaver her…

Sind wir häufig nicht in der Lage, die echten Gefahren im Leben zu bemerken? Wie selbst der paranoide Teetrinker bemerkt, ist noch niemand an dem Genuss von Tee gestorben. Im Straßenverkehr kommen jährlich ca. 25.000 Menschen ums Leben, das nur in Europa. Das sind ungefähr 70 am Tag, Jahr für Jahr1. Und das ist kein großes Thema. Um sich ein echtes Problem mit Keimen einzuhandeln, braucht es keinen Tee und keine Tauben, ein deutsches Krankenhaus ist der geeignete Ort. Dort kommen noch mehr Menschen an Infektionen um als es Tote im Straßenverkehr gibt2. Das sind nur zwei Beispiele von Missständen, an die wir uns bereits gewöhnt haben. Sonst würde darüber sicher häufiger in den Medien und der Presse berichtet werden.

Mir für meinen Teil kann Tee keine Angst machen. Und solange man nicht auf billigste Qualitäten setzt, sollten die Tees von einwandfreier Beschaffenheit sein. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, dass mal einer von unseren Tees beanstandet wurde, selbst letztes Jahr beim Thema „Pyrrolizidinalkaloide“auch überhaupt nichts. Der einzige“misslungene“ Tee war eine Charge grüner Tee (Jade Ringe), die wie ein fein geräucherter Tee (Tarry Lapsang) roch und schmeckte. Aber das hatte schon wieder was.

Euch wünsche ich einen weiterhin Panik freien Teegenuß und ein schickes Wochenende.

QUELLEN:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/eu-unfallstatistik-litauen-100-deutschland-44-12120473.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Nosokomiale_Infektion#Deutschland

Bilder: Serge Ellisalde, les flilms de’l arlequin aus „Thé Noir“, arte

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